Vogelkäfig

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* Vogelkäfig

Beitrag von Predawn am Sa Dez 20, 2014 7:12 pm

Ein stummer Schrei verzerrte mein Gesicht. Tränen rannen mir wir wie brennendes Magma über die Wangen. Warum nur, warum? Wieder holte es sich in meinem Kopf. Immer und immer wieder. Warum nur? Warum? Meine Hände griffen nach den kalten und verdreckten Gittern vor mir. Ein Schluchzer entwich meiner Kehle, als ich meinen strubbeligen Kopf an das selbe dunkle Gitter lehnte, an dem ich mich festhielt.
Wie ein Vorhang versuchten meine strähnigen Haare mein verzerrtes und rot angelaufenes Gesicht zu verstecken. Die Tränen rannen nun nicht mehr über mein Gesicht, sie fielen unter mir zu Boden. Platsch, platsch, platsch. Und wieder wiederholten sich die stillen Wehklagen in meinem Kopf: Warum nur? Warum? Warum ich? Wieso habe ich nur so viel Leid? Ein neues Gefühl breitete sich in meinem gekrümmten Körper auf: Hass, Wut, Zorn.
Ich schrie, diesmal könnte man ihn hören. Diesen Laut. Verzweifelt, traurig, wütend. Alles auf einmal. Man hörte ihn bestimmt im ganzen Land, auf der ganzen Welt. „Lasst mich hier raus!“ Schrie ich. „Lasst mich frei!“ Und: „Ich habe das nicht verdient!“ Doch niemand schien mir Beachtung zu schenken. Sie ignorierten mich, dachten Sachen wie „Peinlich... am besten tun wir so, als würden wir sie nicht bemerken.“ und „Oh Gott, wie erbärmlich!“, da war ich mir sicher.

„Oh Gott, wie erbärmlich!“

Gab es Gott? Gab es ihn wirklich? Wenn ja, wieso lässt er zu, das ich leide? Ich habe niemanden etwas getan. Ich bin immer ein guter Mensch gewesen! So lass mich doch hier raus! Bitte! Ich flehe dich an! Befreie mich von meinen Fesseln! Natürlich geschah nichts. Denn Gott gab es nicht und wird es nie geben. Und wenn doch, dann ignorierte er mich, erbärmliches Wesen, wie alle anderen. Hielt sich für etwas besseren.

Ich gab mir einen Ruck. Richtete mich auf und sah zornig einen nach den anderen an. Alle, die um meinen Käfig herum standen. Plötzlich schienen sie Angst vor mir zu haben. Senkten ihre Blicke und huschten schnell davon. Liefen peinlich berührt weiter. Mein Gesichtsausdruck entspannte sich, sackte in sich zusammen. Genauso ließ ich mich wieder zu Boden fallen. Mein Blick richtete sich gen Himmel. Die Metallstäbe des Käfigs versperrten mir die freie Sicht zum hellblauen, so schönen Himmel. Noch einmal stellte ich mir all diese Fragen: Warum nur? Warum? Warum ich? Wieso habe ich nur so viel Leid? und Gibt es Gott wirklich?
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